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Grundlagen | Was meint Globales Lernen?
Was meint Globales Lernen?
Den Begriff «Globales Lernen» gibt es im deutschsprachigen Raum seit den 1990er Jahren. In der deutschen Schweiz wird das Bildungskonzept seither konsequent verbreitet und für Lehrpersonen nutzbar gemacht. Globales Lernen zielt auf eine notwendige Erweiterung des Bildungshorizontes im Zuge von globalen Entwicklungen und auf die Klärung von Wertvorstellungen. Schülerinnen und Schüler befassen sich mit den verschiedenen Seiten derselben Sache, mit verschiedenen Verknüpfungen, mit verschiedenen Interessenslagen, mit verschiedenen Wahrnehmungen und Werthaltungen – immer mit Blick auf die Welt.

Weltweite Zusammenhänge herstellen

Unter Globalisierung versteht man den Prozess der zunehmenden internationalen Verflechtung in allen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Technik, Kommunikation etc.). Die Intensivierung der globalen Beziehungen geschieht auf der Ebene von Individuen, Gesellschaft, Institutionen und Staaten. Das weltweite Zusammenrücken von Märkten und Gesellschaften ist eine unumkehrbare Tatsache. Die damit einhergehende Liberalisierung und Deregulierung hingegen sind politische Prozesse und als solche gestaltbar. Herausgefordert sind nicht nur Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, sondern auch jede und jeder Einzelne. Der Bildung kommt die Aufgabe zu, Fragen der weltweiten Zusammenhänge und Abhängigkeiten verstehbar zu machen und zur Diskussion zu stellen. Schüler/innen erkennen, dass ihr Alltag von globalen Entwicklungen geprägt ist und dass sie in diesem Rahmen Entscheide treffen und handeln. Wegweisend für das Verstehen von globalen Zusammenhängen ist nicht allein das Wissen, das zur Verfügung steht, sondern auch der bewusste Umgang mit Bildern und Konzepten im eigenen Kopf. Stereotype und Vorurteile können den Blick einschränken und die Analyse von globalen Zusammenhängen und Machtbeziehungen einseitig beeinflussen.

Das Lernen über weltweite Zusammenhänge verlangt, dass möglichst viele einwirkende Faktoren mit einbezogen werden. Damit Entwicklungen erkannt, eingeschätzt und interpretiert werden können, braucht es ein Bewusstsein für den eigenen Standort (In welchem Kontext befinde ich mich? Welche Werthaltungen leiten mich?), die eigene Interessenlage (Welche gesellschaftliche Rolle nehme ich ein?) und die eigene Sichtweise (Welche persönliche Meinung habe ich?). Gleichzeitig ermöglicht erst die Betrachtung aus mehreren, auch ungewohnten Perspektiven Unterschiede festzustellen, Vergleiche anzustellen und Zusammenhänge zu erkennen.

Globales Lernen bedeutet, dass sich die Lernenden auf dem Hintergrund ihrer je eigenen Lebenswelten in Beziehung zu anderen Menschen und weltweiten Entwicklungen setzen können. Sie werden fähig, Phänomene der Globalisierung auf ihren Alltag zu beziehen – Konsumgüter aus der ganzen Welt,  Migration, Mobilität etc. – und den Spielraum für ihr eigenes Handeln abzuschätzen.

Wertvorstellungen und Haltungen klären

Das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung und das diesem Leitbild zugrunde liegende Menschenbild bestimmen die Ausrichtung von Globalem Lernen. Es ist das Bild eines Menschen, der motiviert ist, sich Wissen über globale Zusammenhänge als Basis für seine moralischen Urteile anzueignen und der im Austausch mit Anderen Schlüsse für sein eigenes Handeln zieht.

Zum Lernprozess in der Schule gehört der Erwerb von Wissen, das hilft, lokale mit weltweiten Entwicklungen zu einander in Beziehung zu bringen und zu interpretieren. Ebenso gehört dazu, dass Schüler/innen sich mit eigenen und ihnen fremden Wertvorstellungen und -haltungen befassen und sich mit sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzen. Dies beinhaltet ein Lernen über die Bedeutung von Gerechtigkeit für sich selber und für Andere wie auch ein Lernen über die Achtung der Menschenrechte auf nationaler und globaler Ebene.

Aber auch der Umgang mit Nichtwissen und Ungewissheit gehört zum Globalen Lernen. Eindimensionale Perspektiven und Lösungen befriedigen vielleicht ein legitimes Bedürfnis nach Sicherheit, täuschen aber etwas vor. Ein Gefühl von Sicherheit kann auch in der Erfahrung gründen, in konkreten Situationen angepasste eigenständige Entscheide treffen zu können, die auf Wissen und einem Urteilsvermögen basieren.
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