Situationskarten: Eine Methode für viele Fälle
26.01.2026
Wie können Schülerinnen und Schüler lernen, mit komplexen Alltagsfragen umzugehen – und dabei nicht nur ihr eigenes Verhalten, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung mitzudenken? Die Methode «Situationskarten» eignet sich dazu ausgezeichnet. Neu liegen ein Leitfaden für die Umsetzung im Unterricht sowie ein Handbuch vor, mit dem eigene Themen mit Situationskarten gestaltet und im Unterricht behandelt werden können.
Situationskarten beschreiben fiktive, aber realistische Alltagssituationen, wie sie Schülerinnen und Schüler kennen: Streit ums Smartphone, Diskussionen über Konsum, Konflikte um Mitbestimmung oder Umweltfragen. Auf der Vorderseite steht die Situation, auf der Rückseite finden sich offene Fragen, die zur Diskussion, zur Perspektivenübernahme und zur Entwicklung von Lösungen anregen. Dabei geht es nie um «richtig oder falsch», sondern um Dilemmata, Nutzungskonflikte und unterschiedliche Interessen – also genau das, was nachhaltige Entwicklung in der Realität so komplex macht. Oder noch konkreter: «Es wird oft gesagt, was alles schlecht läuft – mit den Situationskarten geht es einen Schritt weiter: Man arbeitet automatisch an Lösungen.», so die Rückmeldung aus einem Situationskarten-Test mit Lehrpersonen.
Warum Situationskarten perfekt zu BNE passen
Bildung für Nachhaltige Entwicklung befasst sich mit komplexen Herausforderungen in den Themen Klimaschutz, Gesundheit, Konsum, Demokratie oder Digitalisierung. Diese Herausforderungen betreffen alle, lassen sich aber nicht allein durch individuelles Verhalten lösen. Die Methode Situationskarten trägt diesem Spannungsfeld Rechnung:
- Sie fördert Reflexivität: Stört es dich, wenn ..? Wie würdest du damit umgehen, wenn ..?
- Sie stärkt Perspektivenwechsel: Wie würde sich das Kind (in der Situation) fühlen, wenn ..?
- Sie eröffnet Zukunftsbilder: Wie soll unser gesunder Znüni werden?
- Und sie verbindet individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten – von persönlichen Entscheidungen bis hin zu Regeln, Schulprojekten oder gesellschaftlichen Lösungen: Welche Regeln müssten für alle gelten?
Diese Schwerpunkte zeigen sich auch im Kompetenzprofil der Methode: Besonders stark werden Reflexivität und Zukunftsorientierung gefördert, ergänzt durch systemisches Denken und soziale Kompetenzen (siehe auch die entsprechende Grafik im Handbuch, S. 4).
Vielseitig einsetzbar – von der ersten Idee bis zur Vertiefung
Situationskarten sind sehr flexibel und vielseitig einsetzbar. Man kann mit ihnen nur eine Lektion verbringen oder einen ganzen Tag, sie sind bewusst vage gehalten, damit sie zeitlich und örtlich unabhängig in der ganzen Schweiz funktionieren und die Schülerinnen und Schüler sie in einen Kontext setzen können, der ihnen besonders nahe ist. Folgende Aspekte unterstreichen die Vielseitigkeit besonders:
- Zeitlich: von einer einzelnen Lektion bis zum Projekttag
- Didaktisch: im Plenum, mit einem Partner / einer Partnerin, in Gruppen
- Thematisch: in der thematischen Breite (z. B. Thema Energie) oder Tiefe (z. B. Energieverbrauch und Wohnen)
- Im Lernprozess:
- zu Beginn einer Unterrichtseinheit zur Erhebung von Präkonzepten
- am Ende einer Unterrichtseinheit zur Vertiefung oder Lernstanderfassung
Der Leitfaden strukturiert den Einsatz in vier Phasen: Einführung – Gruppenarbeit – Präsentation – Reflexion. So wird aus einer Karte ein ganzer Lernprozess – inklusive Transfer in die eigene Lebenswelt.
Sicher über heikle Themen sprechen
Einen besonderen Vorteil bieten die Situationskarten dann, wenn potenziell heikle Themen besprochen werden. Sie schaffen vorerst eine emotionale Distanz, denn die Schülerinnen und Schüler diskutieren über eine fiktive Figur und nicht direkt über ihre eigene Familie oder ihr eigenes Verhalten. So können auch sensible Themen wie Sucht oder Diskriminierung sachlich und in einem geschützten Rahmen bearbeitet werden.
Entlastung für Lehrpersonen mit viel Raum für eigene Ideen
Für Lehrpersonen bieten Situationskarten einen klaren Rahmen: Die Situationen und die Leitfragen sind bereits auf den Lehrplan21 und auf BNE-Kompetenzen abgestimmt. Die Umsetzung bleibt offen: sachlich, kreativ, forschend, spielerisch – je nach Klasse und persönlichem Stil.
Sofort loslegen
Mit den bereits ausgearbeiteten Situationskarten von éducation21 können Sie sofort loslegen:
ON/OFF – Energie und Bewegung (Zyklus 2)
Hier steht Systemwissen im Vordergrund: Wie hängen unser Energieverbrauch, Klima, Technik und Alltag zusammen? Die Situationskarten helfen, Ursachen und Wirkungen zu erkennen und nachhaltige Entscheidungen abzuwägen.
Wir reden mit! (Zyklus 2-3)
Diese Situationskarten fördern Partizipation: Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie in der Schule mitreden, Interessen abwägen und kleine Projekte umsetzen können – ein geschütztes Trainingsfeld für Demokratie und Mitverantwortung.
Genuss oder Sucht? (Zyklus 1-2)
Hier geht es besonders um Selbstreflexion: Welche Gewohnheiten habe ich? Was tut mir gut? Wo beginnt Abhängigkeit? Die Situationskarten unterstützen die Auseinandersetzung mit eigenen Werten, Normen und Konsumentscheidungen.
Lust auf eigene Situationskarten?
Falls Sie Lust bekommen haben, eigene Situationskarten zu erstellen, bietet Ihnen das Handbuch zur Produktion von Situationskarten alle nötigen Informationen und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.