Ein Schulareal für alle

​​Wie die Schule Zeihen zusammen mit der Gemeinde das Schulareal als Lern- und Lebensraum neu gestaltete​

«Ein partizipatives Projekt mit vielen Beteiligten braucht klare Strukturen und zugleich das Vertrauen, dass es gelingen wird.» Schulleiterin, Schule Zeihen.
Foto: Schule Zeihen

Kurzbeschrieb

​​An der Schule Zeihen wurde der Schulhausareal in einem partizipativen Projekt zu einem grünen, klimafreundlichen Lernort umgestaltet. Schülerinnen und Schüler, Bevölkerung, Gemeinde und Partnerorganisationen schufen gemeinsam Räume für Biodiversität, Begegnung und Wohlbefinden. 

​Initiiert wurde das Projekt von Schülerinnen und Schülern des Zyklus 2. Sie nahmen am Citizen-Science-Projekts «3-2-1-heiss!» teil, das vom Kanton Aargau und dem Büro catta organisiert wurde. Die Schülerinnen und Schüler untersuchten die Temperaturen rund um ihr Schulhaus. Dabei stellten sie fest, dass der betonierte Pausenplatz besonders stark erhitzt wird. Aus dieser Erkenntnis entstand der Wunsch, das Areal lern- und lebensfreundlicher zu gestalten. 

​Zum Abschluss dieser Projektphase luden die Klassen zu einem Informationsabend ein, an dem sie ihre Vorschläge zur Erneuerung des Schulhausareals der Dorfbevölkerung präsentierten. Parallel dazu erarbeitete die Schulleitung gemeinsam mit dem Jurapark und dem Naturama Aargau ein Rahmenkonzept. In diesem Prozess wurden die Ideen der Kinder fachlich bewertet und das Areal begutachtet. Die Schulleitung präsentierte das daraus entstandene Konzept dem Gemeinderat, worauf gemeinsam mit der Gemeinde beschlossen wurde, das Projekt weiterzuführen und konkret auszuarbeiten. 

​Eine Kerngruppe aus Schule, Gemeinde und Partnerorganisationen (FHNW und Pro Senectute) übernahm dafür die Begleitung und Koordination des Projektes. Entstanden sind unter der Beteiligung von 120 Schülerinnen und Schülern, 15 Erwachsenen, Partnerorganisationen und lokalen Unternehmen u.a. Hochbeete, Naturspielzonen, Hecken, Sandlinsen, ein Wurmkompost, ein Lebensturm, ein Begegnungsort für die Gemeinde und eine Pergola.​ 

Bildungsziele

​​Auf institutioneller Ebene: 

  • ​Die Schule als Teil eines grösseren sozialen Systems erleben 
     

​Auf der Ebene der Schülerinnen und Schüler: 

  • ​Kennenlernen von Pflanzen- und Tierarten und deren Bedürfnissen
  • ​Ideen einbringen und an einem echten Gestaltungsprozess mitwirken
  • ​Zusammenarbeit in altersdurchmischten Gruppen 

Besondere Stärken

  • ​​Durch die Beteiligung von Personen aus der Gemeinde und der Pro Senectute ist ein generationenübergreifendes Projekt entstanden. Es brachte ältere Menschen aus der Gemeinde mit Schülerinnen und Schülern zusammen und fördert so den Austausch zwischen den Generationen. 
     
  • Neben der Gemeinde, der Pro Senectute und der FHNW engagierten sich auch lokale Unternehmen aktiv im Projekt. Die Einbindung dieser externen Partner ermöglichte es der Schule, vielfältige Erfahrungen und Perspektiven für die Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Diese Zusammenarbeit gehört zum Bereich «Community Connections» des Whole School Approach (Blütenblatt-Modell der WSA-Blume, Wals & Mathie, 2022) und stärkte einen zentralen Bestandteil dieses Ansatzes. Durch die Einbindung von Fachwissen, praktischen Erfahrungen und lokalen Ressourcen wurde die Verbindung zwischen Schule und Gemeinde gefestigt. Die Schule ist deshalb auf einem sehr guten Weg zur ganzheitlichen Schulentwicklung. 
     
  • ​Die Projektidee entstand aus der Initiative der Schülerinnen und Schüler. Während der gesamten Projektdauer wurden sie aktiv in die Prozesse einbezogen. Die Koordination lag jedoch bei einer Kerngruppe ohne Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, wodurch sich ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen Mitwirkung und Steuerung entwickelte.​ 

Planung und Durchführung

  1. ​Etappe 

Schülerinnen und Schüler des 2. Zyklus der Schule Zeihen nahmen am Citizen Science Projekt «3-2-1-heiss!» teil, das vom Kanton Aargau und Büro catta organisiert wurde. Die Schülerinnen und Schüler massen während zwei Wochen die Temperatur an besonders heissen oder angenehm kühlen Standorten des Schulareals . Dabei haben sie festgestellt, dass ihr betonierter Schulhof eine Hitzeinsel ist. Ausgehend von dieser Erkenntnis entwickelten die Schülerinnen und Schüler erste Projektideen, um den Schulhausplatz lebensfreundlicher zu gestalten. 

  1. ​Etappe 

​Das Team der Lehrpersonen merkte bald, dass die geplanten Ideen nur mit Rückhalt aus der Gemeinde realisierbar waren. Also organisierten Klassen des Zyklus 2 einen Informationsabend, zu dem auch Vertreterinnen und Vertreter des Gemeinderats kamen. Die Ideen wurden vom Gemeinderat sehr positiv aufgenommen.  

  1. ​Etappe  

​Bevor erste Ideen umgesetzt wurden, analysierte der Jurapark Aargau das Areal. Die gewonnen Erkenntnisse mündeten in ein Rahmenkonzept. Dieses wurde vom Gemeinderat abgenommen. Die einzelnen Arbeitspakete mussten anschliessend in den Budgetprozess aufgenommen werden, d.h., sobald einzelne konkrete Ideen zur Umsetzung bereit waren, wurden sie dem Gemeinderat erneut zur Genehmigung unterbreitet.  

  1. ​Etappe 

​Die ersten Massnahmen wurden für eine Projektwoche geplant, beim Gemeinderat beantragt, genehmigt und anschliessend umgesetzt: der Bau eines Lebensturms, einer Sandlinse, von Hochbeeten und eines Wurmkomposts. 

  1. ​Etappe 

​Für die Weiterentwicklung der Umgestaltung des Areals wurde eine Kerngruppe gegründet. Diese bestand aus Vertreterinnen und Vertretern der Pro Senectute, der FHNW (Beratung), des Gemeinderats (Finanzierung), der Schulleitung sowie des Lehrpersonenteams. Sie koordinierte das gesamte Projekt und traf sich dreimal jährlich zur gemeinsamen Planung und Abstimmung. Als erstes machten sie einen Aufruf in der Gemeinde und fragten, wer sich an der Gestaltung des Schulareals beteiligen möchte. Daraufhin haben sich mehrerer Personen aus der Gemeinde gemeldet. Darunter Pensionierte, junge Eltern und auch Firmeninhaber, die Material und Werkzeuge zur Verfügung stellten. 

  1. ​Etappe 

​Zukunftswerkstatt 
In einer halbtägigen Zukunftswerkstatt mit 25 Kindern und 14 Erwachsenen entwickelten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Institutionen und den Freiwilligen erste Ideen. In dieser Phase konnten die Ideen in den Gruppen frei und kreativ entfaltet werden, ohne dass die konkrete Umsetzung im Vordergrund stand. Das Ziel bestand darin, Ideen zu generieren, neue Perspektiven zu erhalten und diese einander vorzustellen. 

  1. ​Etappe 

​Workshops 
Die Ideen aus der Zukunftswerkstatt wurden anschliessend in Workshops, mit allen Schülerinnen und Schülern der Schule vertieft, dokumentiert und die Machbarkeit geprüft. Dazu gab es Gruppen zu den Themen Bepflanzung, Biodiversität mit Nutztieren sowie Gestaltung und Sitzgelegenheiten. 

  1. ​Etappe ​ 

​Arbeitstage 
Für die Umsetzung der Gestaltungselemente (Pergola, Treffpunkt für die Quartierbevölkerung, Friedensbrücke, Hecken, Naturspielplätze, Fassadenbegrünung) wurden bis im Mai 2025 zwei Arbeitstage eingesetzt. Damit auch berufstätige Erwachsene mitarbeiten konnten, fand ein freiwilliges Arbeitsgefäss an einem Samstag statt. Beteiligt an den beiden Arbeitstagen waren alle Kinder des Schulhauses und 15 Erwachsene. Viel Material für die Umsetzung wurde von lokalen Unternehmen gesponsert. 

  1. ​Etappe 

​Nach den ersten sehr erfolgreichen Massnahmen geht es nun um die nachhaltige Verankerung der Projektarbeiten. Hierzu ist entscheidend, die Organisationsstruktur zu fixieren und Verantwortungen zu verteilen. Es gibt bereits erste Ideen, die nun per 2026 eingeführt werden, damit das Projekt langfristig vorangetrieben werden kann.  
Ab 2026 sind die FHNW und Pro Senectute nicht mehr dabei.  

Organisation

​Für die Organisation des Projekts war die Kerngruppe bestehend aus Vertretern der Gemeinde, der Schulleitung, des Lehrerteams, der FHNW und der Pro Senectute verantwortlich. 

​Die externen Partner haben folgende Aufgaben: 

  • ​Gemeinderat: Bewilligung, Beratung, Finanzierung 
  • ​FHNW: Beratung 
  • Jurapark: Analyse Areal 
  • Naturama Aargau: Erarbeitung Rahmenkonzept 
  • ​Pro Senectute: Aufgebot von engagierten, pensionierten Freiwilligen 
  • ​Lokales Gewerbe: Bereitstellung von Materialien 

Pädagogische Methoden

​​Partizipation

​In diesem Projekt wurde Partizipation gelebt. Die Schulkinder waren nicht nur passive Teilnehmende, sondern aktive Mitgestaltende. Es entstand ein lebendiger Lernprozess, in dem verschiedene Generationen, Institutionen und Fachpersonen zusammenarbeiteten. 

​Entdeckendes Lernen

​Das Projekt bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für entdeckendes Lernen. Es konnten Ideen eingebracht, Fragen gestellt, Lösungen entwickelt und praktisch umgesetzt werden. Ob beim Setzen von Sträuchern, beim Konstruieren von Sitzgelegenheiten oder beim Aufwerten der Schulumgebung. 

​Draussen Unterrichten

​Die Schulkinder haben sich in diesem Projekt intensiv mit ihrem Lebens- und Lernraum auseinandergesetzt und neue Lernorte direkt vor ihrer Schulhaustür geschaffen. Die Schule Zeihen ist eine Draussenschule, d.h. alle Klassen verbringen jeweils ein Halbtag pro Woche draussen. Die gebauten Gestaltungselemente bieten so vielfältige Möglichkeiten für fächerübergreifendes und praxisnahes Lernen.​ 

Beurteilung

Bis im September 2025 hat keine explizite Evaluation stattgefunden.

Herausforderungen für den/die Befragte/n

​​Kommunikation

​In einem Projekt, in dem insgesamt 35 Freiwillige, rund 20 Lehrpersonen/Assistenzen in Teilzeitanstellungen und 120 Schulkinder beteiligt sind, ist die Kommunikation eine sehr grosse Herausforderung.  

​Unsicherheiten aushalten 

​In partizipativen Prozessen ist Vieles nicht vorhersehbar und es entstehen Phasen der Unsicherheit. Dabei gilt es, ruhig zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass es gut kommt. 

​Engagement

​Die bewusste Verknüpfung am Lehrplan 21 der einzelnen Projektphasen sollte stärker in den Fokus treten, damit die Projektarbeit nicht als zusätzlicher Arbeitsaufwand betrachtet wird. Idealerweise wird diese Verknüpfung bereits bei der Planung der einzelnen Projektphasen mitgedacht und vorbereitet. ​ 

Einfach umzusetzen ?

​​Ein partizipativ gestaltetes Projekt mit so vielen Beteiligten erfordert einerseits eine klare Organisation und andererseits das Vertrauen, dass der Prozess gelingt, auch wenn Partizipation mitunter viel mehr Zeit in Anspruch nimmt. 

​Ein Projekt in dieser Grösse muss langfristig geplant werden. Das Engagement der externen Fachpersonen, wie der Gemeinde oder der Pro Senectute ist zudem zentral. Diese müssen frühzeitig ins Projekt involviert werden. Auch die Lehrperson müssen sich bereit erklären, bei so einem langfristigen Projekt mitzuwirken. Zudem muss die Pflege und der Unterhalt der errichteten Gestaltungselemente organisiert werden. Gelebte Partizipation benötigt Zeit, sie steigert jedoch die Motivation bei den Schülerinnen und Schülern.

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In Kürze

Schlüsselwörter
​​Schulareal, Partizipation
Typ
In der Schule
Schulstufe
​​Schule Zeihen​
Anzahl der Kinder
120
Ort
​​Zeihen
Kanton
Zeitlicher Aufwand
Langfristig
Dauer
Projektphase 2023 - 2026​​
Vorbereitungszeit
​​12 Monate​
Kosten

​​Gemeindebudget​ 

Form der Bewertung
andere