Partizipation | 3 Fragen, 3 Antworten mit Thomas Minder
20.08.2025

Wie gelingt es, Partizipation in der Schule nicht nur als Schlagwort, sondern als gelebte Kultur zu verankern? Schulleiter Thomas Minder erklärt, wie er agile Methoden im Kollegium einsetzt, welche Hürden und Erfolge er erlebt hat – und warum Wertearbeit der Schlüssel zum Erfolg ist.
1. Was bedeutet aus Ihrer Sicht: «Partizipation in der Schule leben?»
Als Schulleiter steht für mich in Sachen Partizipation vor allem das Lehrer-Kollegium im Zentrum. Die Lehrpersonen dürfen und sollen sich an der Schulentwicklung beteiligen. An unserer Schule haben wir das so implementiert. Alle Mitarbeitenden sind herzlich eingeladen, ihre Anliegen, Wünsche, Visionen etc. einzubringen. Wir leben das nach agilen Prinzipien: Wir haben ein virtuelles Kanban-Board, auf dem alle Themen gesammelt werden. Sobald Zeit und Ressourcen da sind, greift das Projekt-Team einzelne Aufgaben auf und arbeitet daran. Natürlich gibt es auch klare Kriterien, damit ein Projekt überhaupt in die Umsetzung gehen kann: Die Finanzierung muss gesichert sein, es muss zum Schulleitbild passen, evidenzbasiert sein und im Sinne unserer Zielgruppe. Und – ganz wichtig – das Kollegium muss die Idee mittragen. Der nächste Schritt besteht darin, die Schülerinnen und Schüler in diesen Prozess mit einzubeziehen bzw. diese Art der Zusammenarbeit und Entwicklung in den Klassenalltag zu bringen. Mit den Eltern haben wir schon mehrfach versucht, ähnliche partizipative Ansätze einzuführen. Allerdings wollten die Eltern das gar nicht unbedingt. Bei vielen sei das Vertrauen in die Schule so gross, dass das nicht notwendig sei. Ausserdem haben wir im Schulrat und in der Schulkommission ebenfalls Vertreter der Elternschaft, die Einsitz nehmen.
2. Worin besteht aus Ihrer Sicht der Gewinn für Schulen, wenn sie Partizipationsmöglichkeiten ausweiten und die Zusammenarbeit mit allen Akteuren der Schule (Eltern, ausserschulische Akteure, Gemeinden, etc.) stärken?
Die Kinder und Jugendlichen erleben sich als wirksamen und als bedeutenden Teil der Schulorganisation. Gleiches gilt für die Mitarbeitenden und die Eltern. Die Gesundheitsforschung zeigt eindeutig: Partizipation hat einen starken und positiven Einfluss auf das «well-being». Genau dieses Wohlbefinden liegt uns am Herzen – für die Eltern, die Mitarbeitenden und ganz besonders für die Kinder und Jugendlichen.
3. Welche Tipps würden Sie Schulleitenden geben, die «Partizipation» zum Schuljahresthema machen möchten?
«Beginnen Sie mit der Werte-Arbeit.» Die Schulleitenden sollten sich gemeinsam mit ihren Kollegien fragen: Welche Werte sind uns wirklich wichtig und warum? So wird deutlich, ob Partizipation überhaupt ein Ansatz für die eigene Schule ist. Stellt sie sich als wünschenswertes Ziel heraus, kann man sich überlegen, wie man Partizipation konkret gestalten und organisieren möchte. Das Schulnetz21 bietet Mitgliedschulen hier Kriterien, passende Instrumente, Austauschmöglichkeiten und Unterstützung. Auf jeden Fall würde ich eine Beraterin oder einen Berater hinzuziehen, die den Prozess begleitet. Wir haben darauf verzichtet – und sind mehr als einmal gestrauchelt. Mit einer Begleitung hätten wir manche Klippe vermutlich geschmeidiger umschifft.